Nordhang
Ein Nordhang ist eine Bergflanke oder Hangrichtung, die überwiegend nach Norden ausgerichtet ist. Diese speziellen Lagen sind besonders relevant in der Lawinenkunde, da sie meist weniger Sonnenlicht erhalten und dadurch kälter bleiben. Das hat verschiedene Auswirkungen auf die Schneeverhältnisse und die Lawinengefahr, weshalb sie für Bergsteiger und Skitourengeher von großer Bedeutung sind.
Detaillierte Erklärung
Nordhänge sind aufgrund ihrer Ausrichtung ein essentieller Faktor in der Beurteilung von Schneeverhältnissen und Lawinengefahr. Sie erhalten deutlich weniger direkte Sonneneinstrahlung verglichen mit nach Süden gerichteten Hängen. Das führt dazu, dass der Schnee dort länger liegen bleibt und langsamer taut. In der Lawinenkunde ist dies ein wichtiger Aspekt, da der Schnee auf Nordhängen oft kälter, trockener und generell pulverartig bleibt, was unterschiedliche Lawinenarten begünstigen kann. Während des Winters bleibt der Schnee auf Nordhängen häufig stabil, jedoch kann die Schneedecke durch Temperatureinbrüche und Thermik im Frühjahr instabil werden.
Aufgrund der geringeren Sonneneinstrahlung bilden sich auf Nordhängen häufiger Triebschneeansammlungen. Diese entstehen durch Wind, der den Schnee von einem Bereich weht und an anderer Stelle ablagert. Triebschnee bildet oft eine schlecht verankerte obere Schicht, die besonders anfällig für Schneebrettlawinen ist. Dazu kommt, dass es hier häufig zu einer ungünstigen Schichtung der Schneedecke mit schwachen Zwischenschichten kommt, die durch den geringen Temperaturwechsel nicht ausreichend verfestigt werden.
Praktische Anwendung
Für Bergsteiger und Skitourengeher ist die Kenntnis über Nordhänge und deren spezielle Bedingungen unerlässlich. Bei der Planung einer Tour sollte man sich immer der vorherrschenden Exposition der Hänge bewusst sein. Insbesondere sollten Benutzer von Topographiekarten und GPS-Geräten in der Lage sein, Nordhänge zu identifizieren. Im Winter signalisieren Nordhänge oft sicherere Schneeverhältnisse im Hinblick auf die Temperatur, bergen jedoch versteckte Gefahren durch Triebschnee. Der richtige Umgang mit ARTVA-Geräten, sowie der ständige Vergleich der eigenen Beobachtungen mit den Lawinenlageberichten sind entscheidend.
Wer eine Tour über Nordhänge plant, sollte auf frische Spuren oder akustische Hinweise auf instabile Schneeschichten achten – typische Geräusche oder "Setzungsgeräusche" sind wichtige Anzeichen. Auch sollte immer ein Sicherheitsabstand eingehalten werden, besonders wenn die Hangneigung 30 Grad oder mehr beträgt, da hier die Auslösewahrscheinlichkeit einer Lawine steigt.
Sicherheitsaspekte
Die Sicherheit auf Nordhängen hängt stark von der aktuellen Wetterlage und den Schneebedingungen ab. Ein kritischer Punkt ist die Warnung vor Triebschneeansammlungen, die oft nicht sichtbar sind und häufig zum Brechen der Schneedecke führen können. Erfahrungen in der Einschätzung der Schneeverhältnisse sowie das Üben der Rettungstechniken in Lawinensituationen sind entscheidend.
Besonders das ständige Überprüfen von Wetter- und Lawinenlageberichten gehört zur Vorbereitung jeder Tour. Der Einsatz von Lawinenschutzausrüstung wie Lawinen-Airbags und Sonden sollte selbstverständlich sein und deren Handhabung im Vorhinein geübt werden, um im Notfall effizient agieren zu können.
Regionale Besonderheiten
In den Alpen unterscheiden sich die Bedingungen auf Nordhängen mitunter stark von denen anderer Gebirgsregionen. Unterschiedliche klimatische Bedingungen und Höhenlagen der Alpen beeinflussen die Schnee- und Lawinensituation. Ähnliche nordseitige Bedingungen können in den Pyrenäen oder Karpaten auftreten, jedoch mit unterschiedlichen Wettermustern. In ganz Mitteleuropa spielt die Position der Gebirgsketten in Verbindung mit den übergeordneten Wettersystemen eine erhebliche Rolle dabei, wie die Verhältnisse auf Nordhängen sind. Diese regionalen Unterschiede müssen bei der Tourenplanung bedacht werden.