Campus Move

Bewegung nur mit Händen

Der Campus Move ist eine fortgeschrittene Klettertechnik, bei der sich der Kletterer ausschließlich mit seinen Händen an der Kletterwand bewegt. Diese Technik erfordert ein hohes Maß an Kraft, Koordination und Fingerspitzengefühl und wird oft von erfahrenen Kletterern genutzt, um schwierige Passagen zu überwinden. Sie steht im Kontrast zu Bewegungen, bei denen auch die Füße zusätzlich Kontakt zur Wand haben. Der Campus Move ist nicht nur eine physische Herausforderung, sondern auch eine mentale, da er absolute Konzentration und Präzision verlangt.

Detaillierte Erklärung

Der Begriff "Campus Move" stammt von einem spezifischen Trainingsgerät, dem Campus Board, das in den 1980er Jahren von dem deutschen Sportkletterer Wolfgang Güllich entwickelt wurde. Diese Technik impliziert, dass der Kletterer sich nur durch den Einsatz der Hände an der Wand bewegt, ohne dabei die Unterstützung der Füße zu nutzen. Dabei werden die Hände kraftvoll eingesetzt, um von einem Haltepunkt zum nächsten zu springen oder zu greifen. Dies erfordert nicht nur kräftige Arme und Finger, sondern auch schnelle Reaktionsfähigkeit und ein gutes Körpergefühl, um Balance und Schwung effektiv zu kontrollieren.

Traditionell wird der Campus Move beim Bouldern und Sportklettern eingesetzt, jedoch kann er auch in verschiedenen Schwierigkeitsgraden bei Alpin- oder Felskletterrouten vorkommen. Er ist besonders nützlich, um Überhänge oder schwer zugängliche Griffe zu überwinden, bei denen Fußtechnik oder Reibung nicht effektiv genutzt werden können.

Praktische Anwendung

Um die Technik des Campus Moves zu üben, eignen sich spezielle Kletteranlagen und Trainingsboards, die sogenannte Campusboards beinhalten. Hierbei wird mit zwei parallel verlaufenden Holzleisten gearbeitet, an denen nur mit den Händen gegriffen wird. Die Kletterer ziehen sich dann mittels dynamischer Bewegungen von Leiste zu Leiste, was nicht nur die reine Muskelkraft, sondern auch Schnelligkeit und Beweglichkeit fördert.

Ein typisches Anwendungsbeispiel in der Praxis könnte eine stark überhängende Kletterroute sein, bei der Griffe schwer zugänglich sind und schnelles Handeln gefragt ist. Dabei sollten Übungen schrittweise aufgebaut werden: Vom sicheren Ein- und Umgreifen bis hin zum flüssigen und nahtlosen Übergehen von einem Griff zum nächsten. Ein Tipp für Anfänger ist es, sich nicht sofort auf die Weite eines Sprungs zu konzentrieren, sondern auf die kontrollierte und präzise Ausführung der Bewegung.

Sicherheitsaspekte

Der Campus Move ist technisch anspruchsvoll und birgt bestimmte Risiken, darunter Finger- und Schulterverletzungen. Daher ist es wichtig, die Technik mit Bedacht zu üben und auf die Signale des eigenen Körpers zu achten. Ein solides Aufwärmprogramm ist unerlässlich, um Muskeln und Sehnen auf die Belastung vorzubereiten und Verletzungen vorzubeugen.

Es wird dringend empfohlen, die Technik nicht untrainiert in anspruchsvollen Kletterrouten auszuprobieren. Stattdessen sollten Kletterer sie zuerst in kontrollierten Bedingungen wie in einer Kletterhalle oder an einem Campusboard trainieren. Eine stufenweise Steigerung der Schwierigkeit und das Einbeziehen eines erfahrenen Trainers oder Kletterpartners können zusätzliche Sicherheitsrücklagen bieten.

Regionale Besonderheiten

Auch wenn der Campus Move eine universelle Technik im Kletterbereich ist, gibt es regionale Unterschiede in der Häufigkeit und dem Stil, in dem er praktiziert wird. In den Alpen, wo viele Routen traditionell sind und sich über lange Strecken erstrecken, wird der Campus Move oft in schwierigen Sportkletterpassagen eingesetzt, um den Schwierigkeitsgrad der Route zu erhöhen. In Gebieten mit vielen überhängenden Felswänden, wie im Frankenjura in Deutschland, wird der Campus Move häufiger integriert und ist damit ein populäres Element im Training und auf anspruchsvollen Routen.