Bohrhaken
Bohrhaken sind unverzichtbare Bestandteile der Kletterausrüstung, die als fixe Sicherungspunkte im Fels dienen. Sie bieten besonders in vielen Klettergärten und alpinen Routen die Möglichkeit, schnell und sicher Sicherungspunkte zu setzen. Dies erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern erlaubt es auch, schwierigere Routen zu bewältigen, ohne auf natürliche Sicherungspunkte angewiesen zu sein.
Detaillierte Erklärung
Ein Bohrhaken besteht in der Regel aus zwei Teilen: einem Metallstift, der in ein vorgebohrtes Loch im Fels eingeschlagen oder geklebt wird, und einem Laschen-Anker, an dem das Kletterseil eingehängt wird. Die Wahl des Materials, meist Edelstahl oder verzinkter Stahl, hängt von der Umgebung und den zu erwartenden Bedingungen ab. Edelstahl bietet hervorragenden Korrosionsschutz, wichtig insbesondere in feuchten oder marinen Umgebungen.
Bohrhaken gibt es in verschiedenen Längen und Durchmessern, wobei die Wahl der korrekten Dimension von der Beschaffenheit des Felsens abhängt. Für weichen Kalkstein sind größere Durchmesser nötig als für harten Granit. Ein standardmäßiger Bohrhaken hat meist einen Durchmesser von 10 bis 12 mm und eine Länge von etwa 70 bis 100 mm.
Praktische Anwendung
Beim Einrichten einer Route werden Bohrhaken an strategischen Punkten platziert, um im Falle eines Sturzes optimale Sicherheit zu bieten. Wichtig ist, dass der Abstand zwischen den Haken den Normen entspricht und die Platzierung hinsichtlich der Kletterroute sinnvoll ist. Dabei sollte der Bohrhaken so gesetzt werden, dass der Karabiner beim Einhängen nicht zu stark belastet wird und die Karabinerachse optimal belastet wird, um Materialverschleiß zu minimieren.
Bohrhaken kommen auch in Mehrseillängenrouten zum Einsatz, wo sie an Standplätzen zur Verankerung dienen. Sie ermöglichen es dabei, die Sicherungsmechanismen einfacher und schneller zu organisieren, vor allem in alpinem Gelände, wo natürliche Sicherungspotenziale begrenzt oder gar nicht vorhanden sind.
Sicherheitsaspekte
Obwohl Bohrhaken als fixe Punkte im Fels hohe Sicherheit bieten, sind sie nicht immer zu 100 % verlässlich. Der Kletterer sollte den Zustand jedes Bohrhakens, insbesondere in älteren Routen, genau überprüfen. Zeichen von Rost oder Spiel am Haken sind ernst zu nehmen. Mechanische Belastungen über die Jahre oder klimatische Einflüsse können die Festigkeit eines Bohrhakens deutlich beeinträchtigen.
Bei Verdacht auf unsichere Bohrhaken sollte die Route nur mit äußerster Vorsicht begangen werden. Die Kenntnis von Rettungs- und Absturzszenarien ist in solchen Fällen unerlässlich. Im Zweifelsfall sollte man alpin versierte Kletterer oder die betreffenden Routenbetreiber informieren, damit der Bohrhaken ersetzt oder zumindest markiert werden kann.
Regionale Besonderheiten
In den Alpen findet man in den letzten Jahrzehnten zunehmend mit Bohrhaken abgesicherte Routen, da der Bedarf an hochfrequentierten und sicheren Kletterrouten stetig wächst. Während in Süddeutschland und den österreichischen Kalkalpen Edelstahlhäken besonders verbreitet sind, sieht man in den italienischen Dolomiten noch häufiger ältere Haken, da das dortige Gestein anderen Witterungsbedingungen ausgesetzt ist und entsprechend weniger korrosionsanfällig ist.
In der Schweiz werden Bohrhaken auch vermehrt im klassischen Gelände platziert, wo Sicherungsmöglichkeiten sonst schwer zu finden sind. Hierbei ist es jedoch üblich, dass weiterhin große Wertschätzung auf die traditionelle "Clean Climbing"-Kultur gelegt wird, bei der nur minimal in den natürlichen Fels eingegriffen wird.